super8

wie man kinder erschreckt
2 häufchen von 5
~ der produzent, autor und regisseur j.j. abrams, jahrgang 1966, ist für den film heute ungefähr das, was steven spielberg für die der achtziger und neunziger jahre war: der wunderknabe, der alles, was er anfasst, in rendite verwandelt. nach dem erfolg seiner TV-serien alias und lost wurden abrams zwei große kinoprojekte – mission: impossible und star trek – anvertraut, und als schöpfer des cleveren monster-movies cloverfield hat er punkte in der szene der medienfans gemacht.
sein neuer film super 8 erzählt, wie so etwas anfängt: in der amerikanischen provinz, mit einer hobbykamera, selbst gebastelten requisiten und einer vision.
wir schreiben das jahr 1979 und in der kleinstadt lillian, ohio, sind sechs mittelschüler, allesamt ein bisschen exzentrisch und mit häuslichen problemen geschlagen, emsig dabei, einen horrorfilm im hardcorestil herzustellen. das kleine team um den selbstbewussten regisseur charles (riley griffiths) und den melancholischen maskenbildner joe (joel courtney) weiß recht gut, was es tut. der zombie-darsteller wankt vorschriftsmäßig blöde, mit herausquellenden augen durch die kulisse, die effektsequenzen sind smart geschnitten; charles hat soeben noch eine liebesgeschichte ins drehbuch geschrieben, weil ihm klar geworden ist, dass es in seinem film auch ein bisschen menscheln muss, wenn das publikum mitgehen soll. die crew zieht ins gelände, zu einem alten bahnhof, und dort geraten die kinder in ein echtes mystery-szenario. mitten in einer romantischen abschiedsszene kollidiert ein heranrasender zug mit einem lieferwagen und entgleist auf die dramatischste weise. die kids können sich knapp in sicherheit bringen, die umgestürzte kamera läuft weiter.was sie filmt, erfährt der zuschauer erst sehr viel später. aber es ist nicht schwer, sich das auszurechnen. aus einem der aufgebrochenen container quellen rätselhafte technische objekte, das militär ist verdächtig schnell zur stelle, um die spuren des desasters zu beseitigen, in der nachbarschaft verschwinden mikrowellen, automotoren, hunde und recht bald auch menschen. frisst das vermeintliche alien also wirklich opas dreitakter zusammen mit omas fiffi....? irgendwann wütet in einer tankstelle etwas sehr großes, möglicherweise böses, angeblich fremdes. ein "IT", zweifellos, ein "ding aus einer anderen welt", das aus dem fruchtbaren schoß der amerikanischen alien-folklore gekrochen ist. im weiteren verlauf legen kids und kleinstadtcops sich mit den brutalen militärs an, joe muss sich um die hübsche alice (elle fanning) kümmern, in die er sich im verlauf der dreharbeiten verliebt hat, und charles versucht, seine kaum begonnene karriere zu retten. der jungregisseur ist zwar nicht die hauptfigur, aber eigentlich das kraftzentrum des films: der vertreter aller hollywood-wunderkinder...
wieder wühlt das unheimliche eine friedliche kleinstadt auf ~ super 8, das ist, als würde man ein überladenes spiegelkabinett betreten: überall phantome, überall erscheinungen, überall schatten, überall reflexionen und überall ein bisschen zu viel... wenn in super 8 die militärs schließlich die stadt evakuieren und ihre hysterisierten bewohner in lagern zusammentreiben, stammt das wohl aus jedem bereits 20 mal gesehenen seuchenszenario. auch an die kleinstadterzählungen und den maschinenhorror des bestsellerautors stephen king könnte man denken, an seine vorlage zu stand by me oder an es. was super 8 hingegen in der gar nicht mal herzlosen exposition über die leute von lillian, über den unfalltod von joes mutter oder den labilen vater von alice erzählt, könnte auch als "emotionale drehbuchkomponente" von dem jungen charles erfunden worden sein – es ist so allgemein, dass es überallhin passen würde, in jedes land zu jeder zeit. es wird versucht, dies mit ständigen übertreibungen zu kaschieren: fast alle charaktere schießen dabei gewaltig über das ziel hinaus: der nerdige kumpel hier, der pyromanische freund dort, die liebesgeschichte an anderer stelle - um sich der küchensprache zu bedienen: dem koch ist das salz ausgekommen.
wie in star trek geben scheinbar unbeabsichtigte lichtreflexe dem film außerdem etwas raues, fernsehhaftes und direktes. wie in lost und cloverfield baut sich das unheil via tonspur auf, und bevor es sich enthüllt, sieht man die wirkung, die es auf die dinge hat – von geisterhand gefaltetes metall, zerkrachende bauten, zerfledderte bäume. das zugunglück ist zweifellos eine wegmarke der kinoaction: die inszenierung wirft buchstäblich mit waggons nach den kids, die einschläge fahren direkt in die magengrube und lässt den sitznachbarm im kino schon mal hochhüpfen. auf dem höhepunkt der krise wird die stadt ausgebombt: panzer, soldaten, granaten, dazwischen zwei jungs, die sich in einem zerstörten haus zusammenkauern. vielleicht ist das, für sich genommen und eingebettet in jede menge großaufnahmen von kindergesichtern, noch nicht beunruhigend. aber in den kinos nebenan lässt michael bay gerade mit transformers die maschinenmoderne über seinen – immerhin führerscheinberechtigten – helden zusammenstürzen und lord voldemort schleudert leuchtspurgeschosse auf den flüchtenden harry potter. wird der sommer 2011 in die annalen eingehen als die saison, in der das kino die kinder in den Krieg schickte? sowieso ist super 8 KEIN kinderfilm - obgleich ein "FSK 12" stempel vergeben wurde! dieser umstand ist eine frechheit. wenn blutige füße vom monster verspeist werden, schreckszenen zeigt werden, bei denen erwachsenen menschen ein kurzer schrei auskommt, wenn soldaten von einem riesen monster zertreten und andere blutrünstig gegen glasscheiben lehnend zerkaut werden, darf dies nicht ab 12 jahren (ab sechs, in begleitung der erziehungsberechtigten!) zu sehen sein! jedenfalls ist das vermeintliche familien-popcorn-Kino ganz schön anstrengend, überladen und blutig geworden, was dem film insgesamt 2 von 5 möglichen häufchen bringt.
| Filmstart: | 4. August 2011 |
| Mit: | Joel Courtney, Elle Fanning, Kyle Chandler, u.a. |
| FSK: | ab 12 |
| Laufzeit: | 112 Min. |
| Produktionsland: | USA |
| Produktionsjahr: | 2011 |
| Verleiher: | Paramount |
| Quelle: imdb.com |
