Breaking Dawn Pt.1

bis(s) zur morgenübelkeit
4 häufchen von 5

~vampire vermehren sich doch nicht nur durch anbeißen. in der welt der mormonischen bestsellerautorin stephenie meyer ist dies nicht unbedingt eine gute nachricht. wer als nichtleser in den vergangenen drei twilight-verfilmungen die hoffnung aufgegeben hatte, dass bella und edward je in die kiste springen, erlebt eine fortsetzung, in der mit einer risikoschwangerschaft die last mit der lust umso quälender ausgemalt wird. erst die hochzeit (natürlich!), dann der erste sex (klar!) und der erste biss...

in dieser reihenfolge werden nun die dringendsten aufgaben auf der to-do-liste des mensch-vampir-paares abgehakt.
wie bei harry potter wird das finale in zwei teile gesplittet; der fünfte und letzte film wird im november 2012 anlaufen. die extrazeit nutzt regisseur bill condon – getreu den buchstaben von stephenie meyer – nicht für mehr erotik. es sei dahingestellt, ob die jungmädchenzielgruppe wirklich so fiebrig auf "die erste nacht" ihrer idole gewartet hat, wie viele spöttelnde erwachsene behaupten.
tatsache ist, dass das schöne paar (kristen stewart und robert pattinson) vor der paradiesischen honeymoon-kulisse in einem verschwiegenen luxusferienhaus auf einer brasilianischen insel einen sehr kurzen urlaub zugestanden bekommt. nach einem jugendfreien bettgeflüster sind am morgen danach ein zertrümmertes schlafzimmer zu besichtigen, schwebende daunen und ein tief zerknirschter edward, der sich über bellas blaue flecken grämt. viel zu bald geht es zurück an die kalte pazifikküste zu den vampir-schwiegereltern. denn bella ist in guter hoffnung und sehr krank...

dass die körperliche liebe zwischen einer 18-jährigen und einem genau genommen 109 jahre alten untoten nicht ganz einfach sein würde, war klar. doch bill condon geht über details und naheliegende fragen, wieso ein vampir zeugungsfähig ist, und wenn ja, warum bella kein kondom benutzt hat, so königlich hinweg wie der roman.
stattdessen serviert der regisseur eine blutig angerichtete und gelegentlich brechreiz erzeugende leidensoper.
oder vielmehr eine leidensoperette, denn je älter der zuschauer, desto abgedrehter erscheint die zurichtung von blutsaugern zu sanitätern. sogar die ums krankenbett versammelten vampire haben mühe, beim anblick der abgezehrten bella und ihrem monströs geschwollenen bauch die contenance zu wahren. erwachsene kinogänger assoziieren mit dieser unheimlichen madonna sofort missgeburt-klassiker à la "rosemaries baby" und "alien".

die breit ausgewalzte geburtspein wird nur unterbrochen von recht ordentlich animierter action mit werwölfen, die bella wegen der möglichen geburt eines dämons töten wollen und doch wieder nur viel geheule um nichts veranstalten. als werwolf gesprungen, als lammfell gelandet. immerhin darf "wolfi" jacob lautner wenigstens einmal sein hemd ausziehen (TEAM JACOB!!!) und seinen durchtrainierten oberkörper präsentieren... der einstige märchenprinzvampir robert pattinson muss in der rolle des kümmerers etwas verblassen.
so präsentiert sich die viereinhalbste blutsaugerromanze einerseits als typischer übergangsfilm, in dem die gynäkologischen blutorgien den erzählerischen leerlauf aber recht gut verdecken können. andererseits setzt bella im kreise ihres hofstaats aus domestizierten vampiren und werwölfen erst recht ihren willen durch. es ist faszinierend, wie stephenie meyer prüderie und weibliche emanzipation versöhnt und zur teenager-wunscherfüllung umfunktioniert.

der vampirbiss ist hier vor allem eine schönheitskur, weit wirkungsvoller als botox! nicht, dass die identifikationsfigur bella so etwas nötig hätte: selbst mit grünlicher gesichtsfarbe wird die eher unscheinbare halbe portion auf ewig von zwei tollen typen – hier der sensible edel-vampir, dort der kernige wolfsproletarier – angebetet. der eigenartigste aspekt dieser merkwürdigen serie ist, dass trotz der keuschen botschaften stets bella sexuell die initiative ergreift und beim blutleeren edward die fordernde männerrolle übernimmt: halb zog sie ihn, halb sank er hin. man muss sich nur anschauen, wie beide nach der liebesnacht reagieren; edward moralisch am boden, bella putzmunter.
vielleicht ist dieses schmutzige kleine detail der schlüssel zum erfolg dieser schauerromantischen modernen fabel, die dennoch bei fast allen besuchern schluchzen und wohliges seufzen hervorrufen konnte... TEAM JACOB!!!

Filmstart: 24. November 2011
Mit: Robert Pattinson, Kirsten Stewart, Taylor Lautner u.a.
FSK: ab 12
Laufzeit: 117 Min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
Verleiher: Concorde
  Quelle: imdb.com