Hell
die sonne: unser langweiliger feind
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~ nichts erfährt in unseren nördlichen landstrichen eine höhere wertschätzung als die sonne. fast immer fühlen wir uns von ihr übergangen, fast nie ist ein sommer groß genug, und wer’s sich leisten kann, fährt jetzt im herbst noch schnell in den süden. die sonne: das ist licht, wärme, leben - und grund für zwei stunden verschwendete lebenszeit im kino... dazu aber später mehr. eine klimakatastrophe hat die welt verwüstet, auch in deutschland liegen wiesen und wälder von der sonne versengt.
in den städten lässt es sich nicht mehr leben. nur in den bergen soll es noch wolken geben, wasser und, wer weiß, ein rest von dem, wofür einmal das wort zivilisation stand.
in die berge. dorthin sind drei überlebende des zusammenbruchs unterwegs. ein voll gepackter volvo, phillip als mann am steuer, auf dem beifahrersitz seine freundin marie, auf der rückbank maries kleine schwester leonie. fast wirken diese anfänglichen sequenzen des films wie die familiäre ferienfahrt in den süden. wenn da nicht die tiergerippe am straßenrand wären und die zugeklebten scheiben des autos als schutz vor der sonne. die brennt so stark, dass die truppe vermummt und mit skibrillen geschützt aus dem auto steigt, um eine verlassene tankstelle zu inspizieren.
ein film aus deutschland, mit einem setting, das eher an die australischen mad max-filme erinnert als an die traute heimat, ist schon irritierend genug. noch mehr irritiert es aber, wie wenig dieser film überzeugt und zahlreiche sitznachbarn im kino zum einschlafen zwingt! "hell" erklärt uns nicht, wie es zur katastrophe gekommen ist, er konfrontiert uns ganz einfach mit ihr. wie das grüppchen an der tankstelle einen wasserrest aus der heizung lässt, wie der zwielichtige tom dazustößt, der noch über einen kanister benzin verfügt, wie die gruppe in die berge gelangt, dort aber sogleich in eine falle gerät mit dem ergebnis, dass tom und die kleine leonie von wegelagerern entführt werden: das alles verfolgt man mit einer teif sitzenden langeweile, die sich erst legt, wenn man das kino verlässt. mehrmals der blick auf die uhr; der toilettengang als befreiung!
dabei beruht die nicht vorhandene bannkraft der bilder auf billigen, schlecht gemachten und genutzten filmischen mitteln. etwa dem wechsel zwischen überbelichtung und verdunkelung. schattensatt sind die bilder aus dem abgedunkelten auto, dem verkohlten wald und zum ende aus den innenräumen eines bauernhofs. tritt die kamera hingegen ins tageslicht, wird es jedoch im kinosaal nicht viel heller - hauptziel schon mal verfehlt... der kinogast will sich nicht eine sekunde lang die hand schützend über die augen legen. auch bei den charakteren: der anfangs großspurig auftretende phillip (lars eidinger) erweist sich in der ersten brenzligen situation sofort als einer der schlechtesten schauspieler deutschlands, tom (stipe erceg) und marie (gespielt von einer FURCHTBAR UNGLAUBWÜRDIGEN UND SCHLICHT LANGWEILIGEN hannah herzsprung) finden in der gefahr zu schier übermenschlichem mut, der die kinogänger zu unfreiwilligen lachern zwingt... lebenszeitverschwendung erster güte!
als sich marie allein auf die suche nach ihrer entführten schwester macht, gelangt sie zu einer verlassenen bergkapelle, bricht dort zusammen und wird von einer alten bäuerin aufgelesen. spätestens hier wünscht sich der zuseher, dass sie doch bitte endlich alle sterben und der sache ein schnelles (helles) ende bereiten mögen... angela winkler spielt diese figur so unglaublich unglaubwürdig und aufgesetzt, dass wir uns für eine kurze weile dem sanften licht der hoffnung hingeben können: es ist gleich vorbei!!! die bäuerin elisabeth nimmt marie mit in einen am fuß der berge gelegenen weiler und weist ihr ein zimmer an, das auf einen hof mit spielenden kindern geht.
umso härter trifft dann der fausthieb, der unsere illusion zerschmettert: marie darf noch nicht sterben, ist jedoch ins herz der finsternis geraten. statt der letzten reste der zivilisation gibt es ein kannibalistisches schlachtfest...
tim fehlbaum, der bis 2009 in münchen an der hochschule für fernsehen und film studierte und nun auf die 30 zugeht, hat einen überflüssigen, langweiligen und schrecklich ermüdenden genrefilm gedreht, einen auch in den details nicht überraschenden endzeit-pseudo-thriller.
als action-film hätte "hell" gerne die wucht und durschlagskraft jenes bolzenschussgeräts, das im metzgereibetrieb des bauernclans zum einsatz kommt - schafft dies jedoch nicht eine sekunde lang! dass der film zugleich und völlig unangestrengt eine schrecklich aufgesetzte und gezwungene vision des rechten lebens ausstrahlt, macht ihn für das deutsche kino zur wahren katastrophe, die nicht mal ein helles gnadenhäufchen verdient...
| Filmstart: | 22. September 2011 |
| Mit: | Hannah Herzsprung, Angela Winkler, Lars Eidinger u.a. |
| FSK: | ab 16 |
| Laufzeit: | 89 Min. |
| Produktionsland: | Deutschland/Schweiz |
| Produktionsjahr: | 2011 |
| Verleiher: | Paramount |
| Quelle: imdb.com |
