Captain America: The first Avenger
für die freiheit, für america (und für die spezial-effekte!)
3 häufchen von 5
~ der feind heißt johann schmidt. nicht gerade ein typischer name für einen filmbösewicht, aber doch eindeutig deutsch, und deutsch reicht in den USA als feindbild doch völlig aus? besonders in den 40er jahren des vergangenen jahrhunderts. damals erlebte ein sympathischer superheld namens captain america seine ersten comic-abenteuer. captain america also gegen johann schmidt, gut gegen böse, demokratie gegen diktatur – es war alles angenehm einfach.
als die usa ihre kriege immer gewannen, selbst moralisch, und der amerikanische soldat ein befreier war, war die weiß-rot gestreifte sternenwelt noch in ordnung (fulla hätte also spätestens nach 3 minuten wegen einer überdosis an us-patriotismus gekotzt...)!
in diese welt versetzt captain america – the first avenger uns, die wir die folgenden kapitel amerikanischer militärgeschichte kennen und nicht nur die: mit einem federstrich kann eine rating-agentur heute eine supermacht vor sich her treiben. in diesem finanzökonomischen kampf wäre selbst captain america hilflos. der ist so sehr ein geschöpf des 20. jahrhunderts, dass marvels jüngste comicverfilmung zu einer nostalgischen, aber schlichten geschichtsstunde gerät – mit propagandistischen zügen und einem fachwissenschaftlichen magengeschwür für anwesende geschichtslehrer natürlich...
steve rogers (chris evans) gibt den zunächst wenig heldenhaften new yorker held dieser geschichte. rogers wird ausgemustert: zu klein, zu schwach für den kampf gegen die nazis. dabei würde er so gern. zufälligerweise trifft rogers auf den arzt erskine, der für das us-militär körpertuning betreibt und ein bataillon superhelden heranzüchten soll. während also steve seines guten charakters und starken willens wegen (*würg*) zum ersten supersoldaten gespritzt wird, bereitet sein künftiger gegner schmidt in europa seine machtergreifung vor. hugo weaving, den man noch als bösen mr. smith in matrix vor sich sieht, ändert nur die sprache und wird zu schmidt. er gibt als wehrmachtsoffizier den germanischen herrenmenschen, obwohl freilich nicht blond... als solcher hört er gern wagner, besonders die walküre und siegfried, mit dem ihn wohl die fähigkeit, als einziger eine bestimmte waffen führen zu können, verbinden soll: wie siegfried nothung, so zieht schmidt einen blauen würfel aus dem fels. der enthält ein superzeug, eine art hoch effektiver flüssigsprengstoff, um mit ihm erst europa, dann amerika zu erobern. hitler wird recht schnell unwichtig. auch von anderen ländern ist zunächst mal nicht die rede...
schmidts waffenlabor strahlt einen durchaus ästhetischen retro-futurismus aus. so mag man sich in den vierzigern des vergangenen jahrhunderts tatsächlich die apparaturen und maschinen der zukunft vorgestellt haben. das heißt: kästen ohne viele displays zum bedienen, ein paar hebel, ein paar anzeigen, und, ganz wichtig, verschiedenfarbige lämpchen. das war’s. man kennt so was nur noch aus alten raumschiff-enterprise-folgen. wirklich elegant.
nun ist dieser johann schmidt leider alles andere als ein kluger schurke oder erhabener verbrecher. er ist nur böse, tötet um der macht willen, rächt sich nicht an vergangenem unrecht und folgt keiner mission. schade, denn in der wirklichkeit liegen die dinge meist komplizierter, gerade wenn es um amerikas feinde geht.
der unscheinbare steve rogers gibt hoch gezüchtet einen tollen kriegsheld ab, gewinnt schlacht um schlacht in sternenbanner-uniform. so wird er denn auch nicht zu "captain rogers", sondern eben zu "captain america" du bist nichts, dein land ist alles (hier hätte fulla dann den saal verlassen müssen...)! der captain ist ein umsichtiger held und entwaffnet, eher als dass er tötet. dafür nutzt er sein schild, den er diskusartig durch die gegend wirft – in tron legacy hätte er damit bei den "disc wars" ganz groß rauskommen können. ernst wird’s dann beim letzten gefecht über dem atlantik, captain america gegen schmidt in einem flugzeug voll mit geheimwaffenzeug, kurs new york.
das alles ist ein bisschen eindimensional – und die schöne vierzigerjahre-optik und der schöne chris evans *schmacht* reißen’s nur a bisserl raus. es reicht dennoch für einen vergnüglichen kinoabend mit bombastischen action-szenen und einer tollen 3D-technik! die große überraschung (für unwissende wie mich) kommt nach dem abspann: der ganze film dient vor allem der vorbereitung auf das große superhelden-treffen im kommenden jahr: thor, iron man, hulk und captain america haben dann ihren gemeinsamen auftritt in the avengers. vielleicht könnte man noch super mario aufnehmen, damit er zusammen mit thor das alte europa repräsentieren kann? andererseits: in captain america – the first avenger rührt dieser alte patriotismus schon nahezu, diese sehnsucht nach zeiten, in denen amerika sich nicht nur unbesiegbar wähnte, sondern es auch war...
| Filmstart: | 29. Juni 2011 |
| Mit: | Chris Evans, Samuel L. Jackson, Hugo Weaving, Tommy Lee Jones, u.a. |
| FSK: | ab 12 |
| Laufzeit: | 125 Min. |
| Produktionsland: | USA |
| Produktionsjahr: | 2011 |
| Verleiher: | Paramount |
| Quelle: imdb.com |
