Jógvan Isaksen: Endstation Färöer

mördersuche im nordatlantik...
15.09.2011
~ kantig und zerklüftet ist die landschaft auf den färöer-inseln mitten im nordatlantik, kalt und nass das wetter. von steil ins meer abfallenden felsküsten, verschütteten grotten und von nebelschwaden umschlossenen berghängen ist es nicht weit zu den menschlichen abgründen. gekonnt nutzt jógvan isaksen die raue atmosphäre seiner heimat, um eine spannende geschichte von mord, NS-verbrechen und zusammenhalt zu entfalten...
"wenn man im gebirge war, konnte man zweifellos alle inseln sehen und man konnte stundenlang dasitzen und versuchen, die namen der berggipfel aufzusagen, oder einfach nur die schönheit in sich aufzusaugen." doch um das zu erleben, was jógvan isaksen hier beschreibt, muss man glück haben. zu oft hängt dichter nebel bis tief in die täler. wahrscheinlich bieten neben den färöern nur wenige orte die möglichkeit, sich in die wolken zu flüchten. aber genau das ist hannis mortinssons einzige chance, sein leben vor zwei hünenhaften knochenbrechern zu schützen. die jagen ihn im auftrag der altnazi-bande, der martinsson auf der suche nach dem mörder seiner freundin sonja pætturdóttir zu nahe gekommen ist.
"ich war drauf und dran, demjenigen zuzustimmen, der sang,
dass die nächte in london und singapur nichts waren im vergleich
zu einem samstagabend in tórshavn."
aber der reihe nach: eigentlich lebt hannis martinsson als journalist in kopenhagen. als er einen scheinbar belanglosen brief von sonja in seinem briefkasten findet, den sie kurz vor ihrem tod geschrieben hat, ist ihm klar: sie kann nicht einfach betrunken während einer mittsommerfeier über die klippen gestürzt sein. als dann auch noch ihr lebensgefährte mit einem gebrochenen genick auf seiner kellertreppe gefunden wird, will martinsson erst recht nicht mehr an unglückliche zufälle glauben. außerdem gibt es da noch diesen schoner aus paraguay, der seit tagen am kai von tórshavn festgemacht hat. nicht nur, dass sonja zuletzt häufiger gast an bord war. auch die porträts der beiden nationalsozialisten herbert kappler und albert kesselring, die in einer kajüte an der wand hängen bestärken martinssons misstrauen: die mannschaft ist nicht auf die färöer gekommen, um über neue fanggebiete zu verhandeln. mehr als das stichwort ODESSA soll an dieser stelle noch nicht verraten werden.
somit beginnt nicht nur die suche nach den drahtziehern, sondern auch eine reise über die färöer und in die vergangenheit der inselgruppe. ganz nebenbei erfährt der leser allerlei vom leben im nordatlantik. da gibt es zum beispiel bierclubs, die all jene in eine missliche lage bringen, die keinen mitgliedsausweis vorzeigen können, denn nur in diesen ausgesuchten etablissements darf alkohol ausgeschenkt werden. und wer in sorge sein sollte, so weit entfernt von kontinentaler zivilisation vom informationsfluss abgeschnitten zu sein, dem sei diese genommen: die färinger drehen ihre radios so laut auf, dass sich selbst der verträumteste spaziergänger den nachrichten nicht entziehen kann.
die heimlichen herrscher der färöer aber sind die seevögel und kegelrobben. sie prägen die weite felsige landschaft und das meer. der mensch ist hier nur zweitrangig und muss sich den rauen gegebenheiten unterordnen. klar und hart ist deshalb auch die sprache des romans, immer direkt.
